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Überblick

Medikamentöse Behandlung bei Adipositas
Der Markt der Präparate zur Behandlung von Adipositas ist für Verbraucher unübersichtlich. Viele Mittel sind frei verkäuflich; Kosten für derartige Mittel werden von den Krankenkassen in der Regel nicht übernommen. Untersuchungen zeigen, dass die Ausgaben für viele Präparate zur Gewichtsabnahme nicht lohnen.
Viel relevanter ist jedoch der Gesundheitsaspekt: Sind einige Substanzen lediglich wirkungs-, aber auch harmlos, können andere bis zu lebensbedrohliche Nebenwirkungen mit sich bringen.
An dieser Stelle finden Sie Informationen zu gängigen Präparaten. Bitte beachten Sie, dass die meisten Patienten nach dem Absetzen von Appetitzüglern, Hemmern der Fettverdauung u.ä. wieder zunehmen, da es ihnen während der Zeit der Einnahme nicht gelingt, ihre Ernährungsgewohnheiten umzustellen.

1. Arzneimittel

a) Appetitzügler
Appetitzügler wirken im Gehirn und dämpfen das Hungergefühl, wirken aber auch zugleich im gesamten Körper. Aufgrund ihrer starken Nebenwirkungen wurden die meisten Präparate weltweit wieder vom Markt genommen. Legale Appetitzügler sind in Deutschland verschreibungspflichtig.

  • Wirkstoff Sibutramin  
     
    • Reductil (verschreibungspflichtig)
      Reductil ist ein Medikament und unterliegt der ärztlichen Verschreibepflicht. Die Verschreibepflicht begründet sich durch die mehr oder minder gravierenden Nebenwirkungen der Präparate. Reductil ist nur bei stark übergewichtigen Personen mit einem BMI über 30 bzw. ab einem BMI von 27 bei Vorliegen eines weiteren Risikofaktors wie Diabetes indiziert.und findet in der Behandlung von Adipositas Verwendung.
      Wirkungsweise: Während der Nahrungsaufnahme kommt es zu einer Magenausdehnung. Durch Dehnung der Magenwand schütten die Synapsen der Nervenzellen den Botenstoff Serotonin und Noradrenalin aus, die in der Folge zu Sättigungsgefühlen führen. Hier setzt Sibutramin an, indem es dafür sorgt, dass Noradrenalin und Serotonin länger im synaptischen Spalt verbleiben und nicht wieder von den Nervenzellen aufgenommen werden. Sibutramin ist also ein sogenannter Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer. Durch die vermehrte Anreicherung des Sibutramin im Synaptischen Spalt
        setzen Sättigungsgefühle schneller ein bzw. sind intensiver. 
      Ein weiterer Wirkmechanismus von Sibutramin ist eine erhöhte Thermogenese des Körpers (Steigerung der Wärmeproduktion), wodurch es zusätzlich zu einem leicht erhöhten Energieverbrauch kommt, der jedoch insgesamt sehr gering ist und von daher vernachlässigt werden kann.
      Nebenwirkungen: Zu den Nebenwirkungen von Reductil gehören Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Weiterhin können Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck und Taubheitsgefühle vorkommen.
      Sibutramin (bzw. Reductil) sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, da es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten kommen kann. Das Medikament darf nicht eingenommen werden bei Überfunktion der Schilddrüse, Angina pectoris, Bluthochdruck, Epilepsie, bei gleichzeitiger Einnahme von Antidepressiva und Neuroleptika sowie bei Vorhandensein von Herzrhythmusstörungen und Leber- und Nierenfunktionsstörungen.
      Studie: In einer experimentellen Studie von Lichtenauer und Scherbaum konnten durch eine Behandlung mit Sibutramin mehr als 20 Prozent der adipösen Patienten ihr Gewicht um mehr als 10 Prozent senken. Weitere 55% der Patienten konnten ihr Gewicht um immerhin 5 Prozent senken. Kritisch zu sehen ist, dass es bei einem hohen Prozentsatz der Patienten durch die Einnahme von Sibutramin zu einem Anstieg des Blutdrucks und der Herzfrequenz kam.
      Bewertung: Sibutramin kann bei einigen Patienten zu einer Gewichtsabnahme führen. Kritisch zu sehen ist der Anstieg des Blutdrucks und der Herzfrequenz. Wird eine langfristige Gewichtsabnahme angestrebt, müssen zusätzlich Maßnahmen zur Veränderung des Ess- und Bewegungsverhaltens durchgeführt werden. Aufgrund der Nebenwirkungen und Kontraindikationen sollte Sibutramin nur unter enger ärztlicher Kontrolle eingenommen werden.
       
       
  • Wirkstoff Serotonin: Fenfluramine und Dexfenfluramine
    Fenfluramid- und dexfenfluramidhaltige Präparate wurden in Deutschland 1997 aufgrund ihrer starken Nebenwirkungen vom Markt genommen.
    Wirkungsweise: Der Botenstoff Serotonin, der auf das Sättigungszentrum im Gehirn wirkt und die Kohlenhydrataufnahme steuert, wird verändert.
    Nebenwirkungen:  Bluthochdruck mit erhöhtem Herzinfarkt-/ Schlaganfallrisiko, Herzklappenverdickungen  

    • Ponderax, Isomeride (verboten)
      Ponderax und Isomeride wurden in Deutschland 1997 aufgrund ihrer starken Nebenwirkungen vom Markt genommen.
      • Verbotene, gefährliche Substanzen mit erheblichen Nebenwirkungen
         
  • Wirkstoff Ephedrin
    In Deutschland werden Ephedra-haltige Produkte als apothekenpflichtige Arzneimittel eingestuft. Ephedrine sind enthalten in dem zugelassenen Präparat Boxogetten S,  jedoch auch in den meisten illegalen Schlankheitsmitteln und zunehmend in Medizinprodukten wie Ephedra-Tees. Die meisten der getesteten Produkte enthielten höhere als die angegebene Ephedra-Alkaloidmengen.
     
    • Boxogetten S (verschreibungspflichtig)
      Boxogetten S enthalten den Wirkstoff
      Phenylpropanolamin/ Norephedrin. .
      • Ungünstiges Nutzen-Risiko-Verhältnis, von Stiftung Warentest 2003 als "wenig geeignet" empfohlen.
         
  • Wirkstoffe: Amphetamine
    Fast alle amphetaminhaltigen Substanzen wurden mittlerweile vom Markt genommen.
    Wirkungsweise: Amphetamine setzen ebenfalls am zentralen Nervensystem an. Die Amine der Amphetamine bewirken, dass die Stresshormone
    Noradrenalin und Dopamin ausgeschüttet werden; hierdurch kommt es zu einer appetithemmenden Wirkung.
    Nebenwirkungen: Euphorie, erhöhte Aktivität, gesteigerte Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit, motorische Unruhe, Anstieg des Blutdrucks, gesteigerte Erregbarkeit, bis hin zu Angst- und Spannungszuständen.
    Eine längere Einnahme kann  zu schweren Abhänigkeitsformen führen, da die Substanz auf das zentrale Nervensystem wirkt. Bei dem phenterminhaltigen Präparat "Fen-Phen", das  in den USA vertrieben wurde, wiesen Studien sogar Schädigungen der Herzklappen nach.

    • Regenon, Mirapront  (verboten)
      Diese Präprate mit dem Wirkstoff Phentermin wurden in Deutschland bereits in den 1970ern verboten. Jedoch sind in Österreich, der Schweiz und den USA sowie per Internetvertrieb noch vereinzelt Präparate mit dem Wirkstoff Phentermin auf dem Markt erhältlich.
      • Verbotene, gefährliche Substanzen, starke Nebenwirkungen  
         

b) Hemmer der Fettverdauung

  • Wirkstoff Orlistat
     
    • Xenical (verschreibungspflichtig)
      Xenical ist ein Medikament und unterliegt der ärztlichen Verschreibepflicht.
      Die Verschreibepflicht begründet sich durch die mehr oder minder gravierenden Nebenwirkungen der Präparate. Xenical  ist nur bei stark übergewichtigen Personen mit einem BMI über 30 bzw. ab einem BMI von 27 bei Vorliegen eines weiteren Risikofaktors wie Diabetes indiziert.
      Wirkungsweise: Orlistat hemmt die Fettverdauung im Darm. Der Wirkmechanismus ist dabei folgender: Durch Nahrung aufgenommenes Fett wird normalerweise im Darm durch Enzyme in freie Fettsäuren und in Monoglyceride umgewandelt und so für den Körper verwertbar gemacht. Hier setzt der Wirkstoff Orlistat an. Im Magen und oberen Dünndarm bindet es sich an die aktiven Strukturen der fettspaltenden Enzyme und hemmt deren Wirksamkeit. Etwa 30 Prozent der aufgenommenen Fette werden so mit dem Stuhl unverdaut wieder ausgeschieden.  
      Nebenwirkungen: Zu den Nebenwirkungen von Xenical gehören Blähungen, fettige und flüssige Stühle und Stuhlinkontinenz. Zur Abschwächung dieser Symptome wird empfohlen, den Fettgehalt in der Nahrung zu reduzieren. Weitere Nebenwirkungen sind Mattigkeit, Kopfschmerzen und allergische Reaktiionen. Da Orlistat möglicherweise die Aufnahme der fettlöslichen Vitamine A, D, E, K beeinträchtigt, wird eine obst- und gemüsereiche Kost empfohlen. Orlistat (bzw. Xenical) sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden, da es zu Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen, vor allem Ciclosporin, kommen kann. Das Medikament darf nicht eingenommen werden bei Cholestase (Lebererkrankung), Überempfindlichkeit gegenüber Orlistat bzw. weiteren Bestandteilen von Xenical sowie chronischem Malabsorptionssyndrom (ungenügende Nährstoffaufnahme aus dem Verdauungstrakt). Kinder, Schwangere und stillende Mütter dürfen Xenical nicht einnehmen.
      Studie: In Studien konnten Probanden mit Orlistat eine Gewichtsabnahme pro Jahr von 6 bis 10 Prozent ihres ursprünglichen Körpergewichts erreichen. Ein Jahr später betrug die erneute Gewichtszunahme 33 Prozent. Aufgrund der unangenehmen Nebenwirkungen brachen einige Teilnehmer die Gewichtsabnahme mit Orlistat bzw. Xenical wieder ab.
      Bewertung: Orlistat kann in Kombination mit leicht kalorienreduzierter Kost bei stark übergewichtigen Patienten zu einer Gewichtsabnahme führen. Die Nebenwirkungen durch die Fettausscheidung sind unangenehmer Art (Durchfall, Stuhlinkontinenz); meidet man in der Folge fettreiche Kost, wird ein Lipasehemmer quasi überflüssig.

 c) Abführmittel, Entwässerungsmittel (rezeptfrei)

  • Abführmittel (Laxantien)
    Laxantien werden missbräuchlich als Abnehmhilfe eingesetzt. Sie wirken erst im Enddarm, wo bereits alle Nährstoffe verdaut sind. Produkte sind Aloe, Faulbaumrinde oder Sennablätter.
    Nebenwirkungen: Kaliummangel, der zu Herzrhytmusstörungen führen kann, träger Darm bei Dauereinnahme
    .
      • Abführmittel sind für eine Gewichtsabnahme keinesfalls geeignet.
  • Entwässerungsmittel (Diurektika)
    Diurektika schwemmen Wasser aus dem Körper. Entsprechende Präparate enthalten enthalten z.B Spargel, Birkenblätter, Brennnesselkraut, Hauhechelwurzel, Gartenbohnenhülsen, Wacholderbeeren oder Zinnkraut. Die Nierentätigkeit wird angeregt, aber kein Fett verbrannt.
    Nebenwirkungen: Kaiummangel, der Herzrhytmusstörungen bewirken kann, Risiko von Blutgerinnselbildung durch Wasserentzug und verminderte Hirnleistung durch Waserentzug.
      • Entwässerungsmittel sind für eine Gewichtsabnahme keinesfalls geeignet.

d) Homöopathische Arzneimittel
Homöopathische Arzneimittel enthalten Wirkstoffe in geringen Dosen, die bei Gesunden, in höherer Menge verabreicht, zu bestimmten Krankheitssymtomen führen. .  

  • Wirkstoff Madar
    Der Wirkstoff Madar ist ein Extrakt aus der getrockneten Wurzelrinde des Madarstrauches (China, Indien). Entsprechende Präparate sind rezeptfrei erhältlich.

    • Cefamadar
      Wirkungsweise: Der Wirkstoff setzt im Zwischenhirn an und soll ein Sättigungsgefühl auslösen. Durch Beeinflussung des Sättigungszentrums sollen der Appetit gemindert und der Energiehaushalt gesteuert werden.
      Nebenwirkungen: keine bekannt

      Studien: Eine Wirksamkeit konnte bislang wissenschaftlich nicht eindeutig nachgewiesen werden.
      • Die Wirksamkeit ist nicht eindeutig nachgewiesen.
         
  • Die Wirksamkeit homöopathischer Arzneimittel ist nicht eindeutig nachgewiesen.
     

2. Nahrungsergänzungsmittel
Nahrungsergänzungsmittel benötigen keine Zulassung, da sie rechtlich zu den Lebensmitteln zählen.
Nebenwirkungen: teils erheblich
Studien: Die Wirksamkeit von Nahrungsergänzungsmitteln konnte wissenschaftlich nicht belegt werden.

  • Chrom bzw. Chrompikolinat
    Der Substanz wird eine appettitzügelnde Wirkung nachgesagt.
    Nebenwirkungen: Chrompikolinat steht unter dem Verdacht, Krebs auszulösen. Unruhe, Brust- und Kopfschmerzen, Hautrötungen, Dehydrierung, Nierenschäden sind weitere Nebenwirkungen.  
    Beurteilung: Präparate mit Chrompikolinat sollten aufgrund des Verdachts, Krebs auszulösen, nicht verwendet werden.

  • Wirkstoff Apfelessig
    Apfelessig-Präparate werben damit, dass sie die Fettverbrennung stimulierten.
    Wirkungsweise: Pektin, ein Quellstoff des Apfels, wirkt sättigend. Weiterhin lindert die Säure des Apfelessig Völlegefühle. Apfelssig hat eine antibakerielle Wirkung.
    Nebenwirkungen: bei Aufnahme hoher Mengen leicht abführend
    Studien: In den Präparaten, die mit der Wirksamkeit von Apfelessig warben, waren kaum noch freie Säuren enthalten. Auch konnte der Sättigungseffekt des Pektin in den Präparaten nicht genutzt werden, da zu geringe Dosen enthalten waren. Somit ist nur die antibakterielle Wirkung nachgewiesen, die aber nicht zu einer Gewichtsabnahme beiträgt.  
    Beurteilung:  Apfelessig-Präparate tragen nicht zu einer Gewichtsabnahme bei.

  • Wirkstoff Koffein
    folgt
     
  • Wirkstoff Carnitin
     
    folgt
  • Nahrungsergänzungsmittel sind für eine Gewichtsabnahme nicht zu empfehlen.

 

3. Sonstige
folgt

II. Anwendergruppen
folgt 

Ernährung und Diät bei gesundheit.de

Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Informationen stellen keine Empfehlung oder Bewerbung der Präparate dar. Sie ersetzen auch nicht die fachliche Beratung durch einen Arzt oder Apotheker.

 


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