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5.7 Problemlösetraining

 Im Problemlösetraining sollen dem Patienten Fähigkeiten beigebracht werden, um für problematische Verhaltensweisen und Situationen, die einer erfolgreichen Gewichtskontrolle entgegenstehen, Lösungen zu finden. Nach Mahoney und Mahoney (1976) soll die Vermittlung von Problemlösefertigkeiten den übergewichtigen Personen helfen, ihre Abhängigkeit vom Essen als Reaktion auf problematische Situationen zu verändern und diejenigen Parameter zu korrigieren, die einer vermehrten körperlichen Bewegung entgegenstehen. Ansatzpunkte für die Anwendung von Problemlösestrategien können das Überessen, Gewichtszunahme oder Hindernisse bei der Umsetzung des Verhaltensprogramms sein.

 Stunkard und Mahoney (1976, zitiert nach Black & Scherba, 1983) empfehlen die Integrierung von Problemlösekomponenten in verhaltenstherapeutische Gewichtskontrollprogramme. Auch Wilson (1980) spricht sich für deren Einsatz in

Gewichtsabnahmeprogrammen aus. Tuschhoff, Benecke-Timp & Vogel (1995) weisen darauf hin, daß durch die Rahmenbedingungen in der medizinischen Rehabilitation Selbstkontrollverfahren als nicht besonders geeignet erscheinen, da die Patienten in der Umwelt der Klinik einer mehrfachen Fremdkontrolle unterliegen. Sie empfehlen stattdessen, die Problemlösekompetenz zu verbessern. Einige Wissenschaftler folgten diesen Empfehlungen und bauten entsprechende Komponenten in ihre Programme ein (z.B. Coates und Thoresen, 1981). Allgemein dominiert aber in den therapeutischen Programmen die Vermittlung von Gewichtsabnahmefertigkeiten als die von Problemlösefertigkeiten.

 

Tab. 4:  Stufen der Problemlösung (nach Black & Scherba, 1983, p. 103)

Problemlösestufen

Beispiele, Methoden

1. Identifizierung des Problems 

"Ich esse, wenn ich deprimiert, allein oder gelangweilt bin."

2. Erstellen von Alternativen 

"Ich werde das Haus verlassen, wenn ich deprimiert, allein oder gelangweilt bin, so daß ich nicht essen werde." "Ich werde einen Freund anrufen."

3. Bewertung der verschiedenen Alternativen

von 5= ein nützliche Vorgehensweise bis 1= Vorgehen geringen Nutzens

4. Wähle eine oder mehrere Alternativen

"Ich werde einen Spaziergang machen, wenn ich allein, deprimiert oder gelangweilt bin."

5. Umsetzung des Plans in eine konkrete Handlung

"Wenn ich fühle, daß ich wegen Einsamkeit,... essen muß, werde ich als erstes versuchen einen Spaziergang zu machen. Wenn dies nicht möglich ist, werde ich einen Freund anrufen und versuchen, ein Treffen mit ihm auszumachen.

6. Bewertung des Fortschritts

"Ich weiß, daß ich bei der Lösung meines Problems erfolgreich bin, wenn meine durchschnittliche Kalorienzufuhr unter 1250 Kalorien bleibt"

7. Bei Unbrauchbarkeit der Verhaltensalternative beginne von neuem

"Ich denke, mein Plan hat deshalb nicht funktioniert, weil ich nicht genug Alternativen zur Auswahl hatte. Ich werde versuchen, neue Alternativen zu generieren."

 

 

Es können verschiedene Hindernisse existieren, die es verhindern, daß ein problematischer Ausgangszustand mit Hilfe einer endlichen Menge von Transformationen in einen Zielzustand verwandelt wird. Das Problem kann darin bestehen, daß der Klient nicht in der Lage ist, seinen Ausgangszustand klar und präzise zu formulieren, daß er keine genauen Vorstellungen über das zu erreichende Ziel besitzt, oder daß er nicht über die Mittel verfügt, das Ziel zu erreichen (nach Reinecker, 1997). Dementsprechend beinhaltet ein Problemlösetraining folgende Stufen: Nach einer Phase der allgemeinen Orientierung folgt eine konkrete und präzise Erfassung des Problems. Daran anschließend sollen möglichst viele Lösungswege generiert werden, aus der die Alternative gewählt wird, die ein Optimum an Konsequenzen bringt. Auf der letzten Stufe findet schließlich eine Überprüfung des Vorgehens anhand der Konsequenzen statt, welche die Wiederholung einzelner Stufen dieses Prozesses nahelegen kann. Tabelle 4 zeigt die einzelnen Stufen des Problemlöseprozesses mit entsprechenden Beispielen.

 

Empirische Hinweise

Rogers, Mahoney, Mahoney, Straw und Kenigsberg (1980, zitiert nach Black & Sherba, 1983) untersuchten die Effektivität eines Problemlösetrainings innerhalb eines verhaltenstherapeutischen Gewichtsabnahmeprogramms, welches sich auf sechs Problembereiche konzentrierte und insgesamt 6 Monate dauerte. Die Patienten zeigten 2 Jahre später bei einer Nachuntersuchung eine enttäuschende Gewichtsabnahme von durchschnittlich 5,89 Pfund. Die Autoren vermuten, daß man bessere Ergebnisse dadurch erzielen könnte, wenn man in kleineren Gruppen arbeiten und wenn eine größere Betonung auf die Gewichtsabnahme als auf die Veränderung des Eßverhaltens liegen würde.

 Eine Untersuchung von Black und Scherba von 1983 untersuchte die Empfehlungen von Rogers et al. (1980). Eine Kontrollgruppe erhielt ein übliches verhaltenstherapeutisches Gewichtskontrollprogramm. In der Experimentalgruppe sollten Problemlösetechniken auf mindestens ein gewichtsbezogenes Problem angewendet werden. Die Probanden dieser Bedingung erhielten weiterhin das Programm der Kontrollgruppe. Die Teilnehmer der Experimentalgruppe verloren bis zur Nachuntersuchung nach 6 Monaten doppelt so viel an Gewicht wie die Kontrollgruppe. Die Experimentalgruppe nahm nach der dreimonatigen Behandlung weiter ab, wohingegen die Kontrollgruppe ihr Gewicht nach der Behandlung durchschnittlich nur halten konnte.

Die Ergebnisse zeigen, daß die Vermittlung von Problemlösefertigkeiten ein nützlicher Zusatz zu den Komponenten eines verhaltenstherapeutischen Gewichtsabnahmeprogramms sein kann. Die guten Ergebnisse lassen sich nach Meinung der Autoren dadurch erklären, daß die Teilnehmer eine generelle Methode des Problemlösens erlernten. Die Teilnehmer wurden ermutigt, ihr eigenes Gewichtsabnahmeprogramm zu entwickeln und jedes Problem zu lösen, das sie als gewichtsbezogen definieren und jede Methode als Option anzusehen, unabhängig davon, was sie in dem Programm gelernt hatten.

 Black (1987) untersuchte das Potential eines Minimalinterventionsprogramms und eines Problemlösetrainings. Das Ziel des Problemlösetrainings war Fertigkeiten zu vermitteln, um Probleme zu lösen, die einer Verringerung der Energiezufuhr und einer Erhöhung des Energieverbrauchs entgegenstehen. Das Minimalinterventionsprogramm zeigte nur geringe Effekt und eine hohe Variabilität in den Gewichtsabnahmen. Das Problemlöseprogramm wurde dann bei allen Versuchsteilnehmern im Anschluß an das Minimalinterventionsprogramm durchgeführt. Die Teilnehmer verloren während des Problemlösetrainings durchschnittlich 14,79 Pfund. Für alle Teilnehmer war die Gewichtsabnahme bei dieser Komponente größer als bei dem Minimalinterventionsprogramm, und auch die Gewichtsabnahmevariabilität nahm ab. Die Gewichtsabnahmen lagen bei allen Personen zwischen 12,25 und 16,75 Pfund, unabhängig davon, ob sie während der Minimalinterventionsphase zu- oder abnahmen.

 In einer Studie von Black und Threlfall (1986) nahmen 26 Adipöse an einem Stufenprogramm teil. Falls sich durch ein Minimalinterventionsprogramm nicht der gewünschte Erfolg einstellte, schloß sich ein per Post verschicktes schriftliches Problemlösetrainingsprogramm an, welches auch verhaltenstherapeutische Komponenten enthielt (Selbstbeobachtung der Kalorienzufuhr, Stimuluskontrolle, langsameres Essen) und sich an die Versuchsteilnehmerinnen und deren Ehemänner wandte. Es sollten Probleme identifiziert und gelöst werden, die mit Überessen und verminderter Bewegung assoziiert sind. Die Teilnehmer dieser Ferntherapie konnten nach dem Minimalinterventionsprogramm weiter an Gewicht abnehmen, was bemerkenswert ist. Die Ergebnisse lassen sich mit denen von Standardprogrammen vergleichen.

 Die Effektivität der Durchführung von einem Problemlösetraining innerhalb verhaltenstherapeutischer Adipositasprogramme wurde bisher noch nicht ausreichend überprüft. Die bisherigen empirischen Ergebnisse sind aber vielversprechend und sollten Anlaß zu weiteren Untersuchungen sein. Man kann vermuten, daß die Problemlösefertigkeiten insbesondere für die Erhaltung der Gewichtsabnahmen gewinnbringend eingesetzt werden können.

 

 

 

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