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9.      Die Effektivität chirurgischer Eingriffe

Bei morbider Adipositas (BMI >40 kg/m2) sollte man grundsätzlich auch eine operative Therapie in Erwägung ziehen (Husemann, 1998; Stunkard, 1984; Wirth, 1997). Dieser Grad der Adipositas kann mit konservativen Vorgehensweisen nur in Ausnahmefällen erfolgreich behandelt werden. Es sind Gewichtsabnahmen um 50 kg notwendig. Wirth (1997) berichtet von Zentren, in denen auch Patienten ab einem BMI >35kg/m2 operiert werden.

Als Indikation für eine operative Therapie wird ein BMI von größer als 40, Mißerfolg bei mindestens zwei professionell durchgeführten Gewichtsabnahmeprogrammen und schwerwiegenden Begleitkrankheiten (z.B. Arteriosklerose, Mikroangiopathie) angegeben. Als Kontraindikation gilt ein Lebensalter über 60, psychische Störungen und eine zu erwartende mangelnde Kooperation nach der Operation (Bray et al., 1985; Hauner et al., 1995).

Bei den Malabsorptionstechniken werden Eingriffe vorwiegend am Darm vorgenommen. Durch den jenunoilealen Bypass wird die Oberfläche des Dünndarms auf etwa 10 % reduziert. Durch diese Operationsmethoden wird innerhalb von 1 - 2 Jahren das Körperfett um 60 % gesenkt, was auch nach 5 Jahren noch nachweisbar ist (Gries, 1987, zitiert nach Wirth, 1997). Aufgrund der Komplikationen schon bei der Operation (Sterblichkeit bei 4 %, Wundheilungsstörungen) und chronischen Erkrankungen durch Mangelernährung, da es auch zur Malabsorption von Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen kommt, werden reine Malabsorptionstechniken nicht mehr angewandt sondern nur noch in Kombination mit Magenrestriktionstechniken.

Zu den Magenrestriktionstechniken gehört die vertikale Gastroplastik. Hier wird das Magenreservoir auf etwa 1/50 der vorherigen Kapazität reduziert. Bereits nach etwa einer halben Tasse Nahrung ist der "Magen" gefüllt. Dadurch entsteht ein Sättigungsgefühl, welches die weitere Nahrungsaufnahme verhindert. Auch bei dieser Vorgehensweise werden Komplikatonen berichtet, wenn auch in geringerem Umfang als bei den Bypass-Operationen (Husemann, 1992). Innerhalb der ersten 2 Jahre verlieren zwei Drittel der Patienten mehr als 50 % der überschüssigen Fettmasse. Die dadurch erzielten Gewichtsabnahmen werden dabei langfristig erhalten (Mason & Doherty, 1993). Um die Gewichtsabnahmen zu erreichen, muß der Patient sein Eßverhalten umstellen (kleinere Bissen, viel kauen). Empfohlen werden 5 kleine Mahlzeiten pro Tag. Wird zu viel gegessen, treten Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen auf.

Auch das Magenband stellt eine Magenrestriktionstechnik dar. Dabei wird ein silikonbeschichtetes Band um den Fundus gelegt. Dieses Band ist im Durchmesser auch postoperativ verstellbar. Auch hier wird durch die Restriktion des Magens eine vorzeitige Sättigung bewirkt. Vorteile liegen in dem minimalen operativen Eingriff. Einige Autoren (Husemann, 1998; Kral, 1995) versprechen sich für die Zukunft von diesem weniger invasiven Eingriff am meisten.

Bei Husemann (1998) findet sich in tabellarischer Übersicht eine Darstellung der langfristigen Gewichtsabnahmen über mehrere Jahre durch die Jejunoileostomie, vertikalen Gastroplastik und dem anpaßbaren Magenband. Basierend auf mehreren Studien stellt Husemann (1998) fest, daß unabhängig von Technik und Operateur gilt, daß sich das ursprüngliche extreme Übergewicht von etwa 45 bis 52 kg/m2 durch die operative Maßnahmen auf einen BMI von 33 kg/m2 reduziert. Mit der Gewichtsabnahme geht eine Verbesserung der mit der Adipositas verbundenen Risikofaktoren einher. Die Gewichtsabnahmen werden dabei langfristig gehalten.

Ein weiterer Eingriff, der zu einer reduzierten Energiezufuhr führt und häufig in der Literatur auftaucht ist die Kieferverdrahtung. Die Mehrzahl der Patienten nimmt mit dieser Technik ohne größere Komplikationen ab. Nach der Entfernung der Drähte erfolgt jedoch fast immer eine erneute Gewichtszunahme. Sie wird heutzutage nicht mehr angewandt (Wirth, 1997).

Durch die chirurgischen Eingriffe kommt es zu erheblichen Gewichtsabnahmen, die auch langfristig gehalten werden. Ein Einsatz dieser Techniken sollte erst ab einem BMI von >40 kg/m2 und nach mehrmaligem Scheitern konventioneller Therapien diskutiert werden. Gegen den Einsatz sprechen häufige kurz- wie langfristige Komplikationen.

Man muß sich im klaren sein, daß es sich bei diesen Eingriffen häufig um irreversible Vorgänge handelt und der Patient nach chirurgischen Eingriff nicht mehr in der Lage ist mehr als eine Tasse Nahrung auf einmal zu sich zunehmen. Psychischen Komplikationen müssen berücksichtigt werden. Hier ist ein verantwortungsvolles Abwägen aller Vor- und Nachteile chirurgischer Maßnahmen von allen Beteiligten gefordert.

 

 

  

 

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