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Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik sieht Kernannahmen der Trennkost als widerlegt an

Trennkost ist eine Ernährungsform, die von zahlreichen Abnehmwilligen auch als Diät praktiziert wird. Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik setzt sich nun in einer aktuellen Stellungnahme kritisch mit der Trennkost als Ernährungsform auseinander und weist insbesondere darauf hin, dass die zugrundeliegenden ernährungsphysiologischen Annahmen mittlerweile widerlegt seien. Begründet wurde die Trennkost von dem amerikanischen Arzt Dr. William Howard Hay (1866-1940), der an einer als unheilbar geltenden Bright’schen Nierenerkrankung und starkem Übergewicht litt. Aus diesem Anlass entwickelte er im Jahr 1907 das Konzept der Trennkost. Während seiner Krankheit inspirierten ihn Berichte über die körpereigenen Heilkräfte des im Himalaya lebenden Hunza-Volkes, das sich ausschließlich durch naturbelassene Lebensmittel wie Gemüse, Früchte, Nüsse, Brot aus vollem Korn, Milch und Käse ernährte. Diese Kostform wurde zum Ausgangspunkt der Ernährungslehre von Hay, der diese an sich anwandte und nach eigenen Angaben vollständig gesundete.

Kernpunkt der Hay’schen Trennkost ist die Trennung, d.h. die zeitlich versetzte Aufnahme von proteinreichen und kohlenhydratreichen Lebensmitteln. Sie basiert auf Hays „chemischen Verdauungsgesetzen“, nach denen Proteine und Kohlenhydrate im menschlichen Verdauungstrakt nicht gleichzeitig optimal aufgespalten und resorbiert werden können. Eine weitere Annahme von Hay lautet, dass die übliche Mischkost eine „Übersäuerung“ des Körpers verursache. Dieser Säureüberschuss im Organismus könne die geringen basischen Reserven leicht erschöpfen und die Entstehung von Zivilisationskrankheiten wie Gicht, Rheuma und Herzinfarkt fördern.

Die Gesellschaft für Ernährungsmedizin sieht die Kernannahmen der Haýschen Trennkost mittlerweile als widerlegt an. Die Forderung, protein- und kohlenhydratreiche Lebensmittel aufgrund der physiologischen Verdauungsvorgänge getrennt aufzunehmen, sei wissenschaftlich nicht haltbar. So sei der menschliche Organismus in der Lage, beide Nährstoffe gleichzeitig zu verdauen. Auch die Behauptung, dass es durch eine zu hohe Zufuhr an Proteinen zu einer vermehrter Bildung von Proteinabbauprodukten (z. B. Harnsäure und Kreatinin) komme, die als „Schlacken“ leibliche und seelische Funktionen störten, könne wissenschaftlich nicht bestätigt werden.

Trotz der Kritik an den Annahmen ist die Hay’sche Trennkost aus ernährungswissenschaftlicher Sicht eine als ballaststoffreiche, überwiegend lakto-vegetabile Ernährungsform mit geringem Fettgehalt. Positive Auswirkungen auf das Wohlbefinden, Senkung der Blutfett- und Blutdruckwerte sowie eine Reduktion des Körpergewichts seien auf die vegetarisch orientierte Ernährungsweise, nicht jedoch auf das Trennprinzip zurückzuführen.

 

Quelle:
überarbeitete Pressemitteilung der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V.

Link:
http://www.ernaehrungsmed.de

 

(02.07.2006 RM)

 

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