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Untersuchung zeigt Vorurteile gegen adipöse Menschen

Eine repräsentative Untersuchung in der deutschen Bevölkerung zeigt, dass Vorurteile gegen übergewichtige und adipöse Menschen stark verbreitet sind. Eine Nachwuchsforschergruppe aus Marburg sucht nach Möglichkeiten, stigmatisierende Einstellungen zu reduzieren.

"Über die möglichen medizinischen Risiken des Übergewichtes wissen wir mittlerweile recht viel", führt PD Dr. Anja Hilbert, Leiterin einer vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten und an der

Philipps-Universität Marburg angesiedelten Nachwuchsforschergruppe zur Adipositas aus. "Adipöse Menschen sind aber auch Stigmatisierungen und Diskriminierungen in ganz unterschiedlichen Lebensbereichen ausgesetzt - z.B. im Bildungswesen, am Arbeitsplatz, aber auch im Gesundheitswesen. Wie Untersuchungen aus den USA zeigen, werden stark übergewichtige Personen als willensschwach, faul und weniger intelligent eingestuft. Bislang wissen wir so gut wie nichts darüber, ob sich das in Europa und besonders in Deutschland ähnlich verhält."

Um diese Lücke zu schließen haben die Marburger Wissenschaftler in Kooperation mit Prof. Dr. Elmar Brähler von der Universität Leipzig eine repräsentative Untersuchung in der deutschen Bevölkerung durchgeführt. "Das Ergebnis hat uns schon etwas überrascht", kommentiert Prof. Dr. Winfried Rief vom Fachbereich Psychologie der Philipps-Universität. "Fast ein Viertel der Befragten haben eindeutig stigmatisierende Einstellungen geäußert; nur knapp über 20% lehnen eine pauschale negative Beurteilung von adipösen Personen ausdrücklich ab. Besonders bemerkenswert ist allerdings, dass 55% unentschieden sind."

Dieses Resultat weist wohl auf ein hohes Maß an latenter Stigmatisierung hin. "Es scheint so zu sein, dass die Mehrheit sich nicht sicher ist, ob die Vorurteile über adipöse Menschen zutreffen oder nicht. Das heißt aber möglicherweise, dass viele grundsätzlich auch bereit wären, diese Stereotypen zu bestätigen. Von welchen Faktoren das abhängt, wissen wir allerdings noch nicht sicher", resümiert Anja Hilbert.

Einen Hinweis hat die Studie aber doch ergeben: 85% der Befragten gaben an, Adipöse seien im Wesentlichen selbst für ihr starkes Übergewicht verantwortlich, da sie sich einfach zu wenig bewegen und zu viel essen. "Die neuesten Forschungsergebnisse zeigen zwar ganz klar, dass Adipositas durch eine Vielzahl an Faktoren wie genetische Prädisposition, das Lebensumfeld, der jeweilige Lebensstil etc. bedingt wird. Aber in der Öffentlichkeit ist bislang zu wenig bekannt, wie komplex das Übergewichtsproblem eigentlich ist. Wer die Ursachen einer Adipositas vor allem im individuellen Verhalten sucht, neigt auch eher zu Vorurteilen", erläutert Dipl.-Theol. Jens Ried, Mitglied der Nachwuchsforschergruppe.

 

Quelle:
überarbeitete Pressemitteilung

Link:
http://idw-online.de/pages/de/news242397
http://www.uni-marburg.de/nfg-adipositas

 

(24.01.2008 RM)

 

 

 

 

 

 


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