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19.10.2005
Auch Ernährungssituation während der Schwangerschaft prägt
späteres Übergewicht
Nicht nur Erbanlagen spielen eine besondere Rolle bei der Entwicklung von
Übergewicht. Auch die Ernährungssituation
eines un- und neugeborenen Kindes ist wesentlich dafür verantwortlich,
ob ein Mensch später einmal Gewichtsprobleme haben wird, teilte Prof. Andreas
Plagemann aus Berlin im Rahmen seines Leitvortrages anlässlich
der Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft
mit. Diese Erkenntnis finde in
der Gesundheitsvorsorge bislang zu wenig Beachtung, denn im Gegensatz zu den
Erbanlagen ließe sich die Ernährung im Mutterleib gut beeinflussen. Viele Babys kämen bereits überernährt auf die Welt. Die
Ursache, erklärt Plagemann, ist häufig ein in der Schwangerschaft entwickelter Diabetes, der so
genannte Gestationsdiabetes. Wird diese Störung nicht erkannt und nicht
behandelt, wird das ungeborene Kind durch das extrem zuckerreiche Blut der
Mutter sprichwörtlich gemästet. Dazu kommt auf demselben Weg reichlich Insulin,
welches den Fettansatz zusätzlich fördert. Vor dem Hintergrund, dass jede zehnte
Mutter während der Schwangerschaft einen Diabetes entwickelt, der in 90 Prozent
der Fälle unentdeckt bleibt, schlummert hier ein enormes Präventionspotenzial.
Die Rede ist von 70 000 Neugeborenen pro Jahr - 70 000 Kindern, die laut
Plagemann durch flächendeckende Vorsorgemaßnahmen ihrem Adipositasschicksal
entgehen könnten.
Erhöhtes Übergewichtsrisiko
fürs Kind - Diabetische Mütter sollten nur begrenzt stillen Muttermilch schützt normalerweise
vor Übergewicht: Gestillte Kinder von
gesunden Müttern weisen ein um 25 Prozent geringeres Risiko auf, später übergewichtig
zu werden. Wie
wirkt sich Muttermilchernährung aber auf die Babys diabetischer Mütter aus?
Diese Fragestellung untersuchten Plagemann und Mitarbeiter an über 300 Müttern
mit Gestationsdiabetes oder Diabetes Typ 1. Sie stellten fest, dass das
Übergewichtsrisiko steigt, je länger und je öfter die Kinder von ihren Müttern
gestillt werden. Säuglinge, die ganz oder teilweise eine Ammenmilch nicht
diabetischer Frauen erhalten, werden seltener übergewichtig und zwar abhängig
von der Dosis der zugefütterten Milch. Der Grund: Die Milch von Diabetikerinnen
enthält deutlich mehr Zucker (Traubenzucker), Insulin und Kalorien als die von
gesunden Müttern, so dass die Säuglinge diabetischer Mütter durch das Stillen
auch nach der Geburt weiter permanent überfüttert werden. Diese Gegebenheiten
sind bei der Betreuung von Schwangeren bislang sträflich vernachlässigt worden.
Prof. Plagemann fordert ein flächendeckendes Screening auf Störungen des
Zuckerstoffwechsels in der Schwangerschaft, um Übergewicht und Adipositas mit
ihren weitreichenden medizinischen Komplikationen, wie Diabetes und
Herz-Kreislauf-Krankheiten, effektiv einzudämmen.
Quelle: aid, Ausgabe Nr. 42/05 20.10.2005,
Maria
Flothkötter
(BK)

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